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Solidarität

„Solidarität ist die Gesinnung einer Gemeinschaft mit starker innerer Verbundenheit." So umschrieb der deutsche Soziologe Alfred Vierkandt sein Verständnis des Begriffes „Solidarität" und gemäß diesem Verständnis agieren sowohl die Europäische Union als auch die Raiffeisen-Gemeinschaft.
Schon der ehemalige französische Außenminister Robert Schumann wünschte sich in seiner Europaerklärung vom 9.Mai 1950, dass durch die Solidarität der Produktion zwischen Frankreich und Deutschland die Grundlage für die Schaffung einer gemeinsamen wirtschaftlichen Entwicklung gelegt werde. Diese würde nach Ansicht Schumanns zur Hebung des Lebensstandards und zur Förderung des Friedens in Europa beitragen. Und Schumann sollte recht behalten: Aus dieser gemeinsamen solidarischen Produktionsgemeinschaft entwickelte sich eine für Europa einzigartige Periode des friedlichen Zusammenlebens und der wirtschaftlichen Stabilität.
Die Idee Schumanns für eine europäische Solidarität resultierte unter anderem aus den Erfahrungen zweier Weltkriege sowie seines christlichen Glaubens, dessen Bestandteil auch die menschliche Nächstenliebe ist. Dies verbindet ihn mit Genossenschaftspionier Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der ebenso Kraft und Inspiration für seine genossenschaftlichen Reformen im christlichen Glauben fand. Die Bauern des 19. Jahrhunderts schlossen sich zu solidarischen Genossenschaften zusammen, um sich gemeinsam in einer friedlichen Umgebung wirtschaftlich (und somit auch gesellschaftlich) entwickeln zu können. Dieselben Gründe führten nach der Katastrophe des 2. Weltkrieges auch zu jener Gemeinschaft, aus der durch den Vertrag von Maastricht 1993 die Europäische Union hervor ging.
Sowohl in der EU, als auch in der Raiffeisen-Gemeinschaft bedeutet Solidarität jedoch nicht nur, Teil einer Gemeinschaft zu sein, um von dieser zu profitieren. So sagte Friedrich Wilhelm Raiffeisen im Jahr 1872, dass die „Solidarhaft der Mitglieder nicht allein zur Herbeischaffung der nötigen Geldmittel dient, sondern den Mitgliedern die Pflicht jedes Einzelnen zum Bewusstsein bringen muss, einzustehen Einer für Alle und Alle für Einen." Dies gilt bis heute für das Genossenschaftswesen genauso wie für die Europäische Union.